Juni 26, 2022

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European Super League – quo vadis?

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European Super League Protest

European Super League Protest (Copyright: Imago Images / 1010847964 / PA Images /xAdamxDavyx 66040450 )

Im Frühjahr 2021 ist der Traum einiger Fußballvereine von einer elitären European Super League geplatzt. Doch es scheint, als wäre das letzte Wort noch nicht gesprochen. Drei Klubs forcieren weiterhin die Revolution des europäischen Fußballs – Ausgang offen.

Auch wenn schon in den Jahren davor immer mal wieder die Rede von einer möglichen “Gigantenliga” war, kam der energische Vorstoß von insgesamt zwölf Klubs aus England, Italien und Spanien im April 2021 doch relativ überraschend. Die Mannschaften legten ihren Plan offen und wussten auch schon einen Sponsor für ihre European Super League zu präsentieren. Doch es gab heftige Gegenwehr von mehreren Parteien, sodass die Idee wenige Tage später bereits wieder vom Tisch war – zumindest vorerst. Denn drei Vereine wollen ihren Traum von der “Goldesel-Liga” nicht aufgeben. Dieser Beitrag fasst die bisherigen Ereignisse zusammen, zeigt die aktuellen Entwicklungen auf und schließt mit einem Ausblick, wie es in der Causa weitergehen könnte.

Das war die Ausgangssituation im Frühjahr 2021

Im April 2021 stießen die folgenden zwölf Vereine das Projekt namens “The Super League” an:

  • Manchester City
  • Manchester United
  • FC Chelsea
  • FC Arsenal
  • Tottenham Hotspur
  • FC Liverpool
  • Juventus Turin
  • AC Mailand
  • Inter Mailand
  • Real Madrid
  • Atlético Madrid
  • FC Barcelona

Die genannten Klubs wollten eine europäische Liga mit 20 Top-Mannschaften ins Leben rufen. 15 der 20 Teams sollten dabei als dauerhafte Teilnehmer fungieren und fünf weitere Vereine sich für jeweils eine Saison qualifizieren können. Da die Mannschaften weiterhin in ihren nationalen Ligen anzutreten gedachten, war die Super League als ergänzender Wettbewerb geplant. Die Spiele sollten unter der Woche stattfinden.

Doch wozu das Ganze, es gibt doch die UEFA Champions League? Ja, allerdings sind die Befürworter der Super League der Meinung, dass die UEFA ebendiese Champions League zu schlecht bzw. nicht ausreichend vermarktet. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Es geht – wie sollte es auch anders sein – ums Geld.

Das Ziel der Super-League-Klubs wäre gewesen (und ist nach wie vor), durch den eigenen Wettbewerb möglichst hohe Einnahmen zu generieren, die dann auch direkt in die Kassen der teilnehmenden Vereine gespült würden. Durchschaubar, denn: Einige der Klubs, die sich um die Gründung einer Super League bemühen, sind hochverschuldet.

Einen Sponsor hatten die Teams auch schon parat: Andrea Agnelli, der zum einen die europäische Klubvereinigung ECA als Chef vertritt und zum anderen Präsident von Juventus Turin ist, verkündete im Frühjahr 2021, dass die amerikanische Investment-Bank JP Morgan den Teilnehmern einen Gründungsbeitrag von 3,5 Milliarden Euro sponsern würde.

Massive Gegenwehr schiebt Super League einen Riegel vor

Die Pläne für eine Super League stießen sofort auf massive Gegenwehr: Es hagelte Kritik von der UEFA und FIFA sowie von den nationalen Verbänden. Sie drohten mit Sanktionen, z.B. dass die Super-League-Klubs an keinen anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene mehr teilnehmen und Spieler der Vereine auch nicht mehr für ihre Nationalteams auflaufen dürften. Inwieweit das rechtlich durchsetzbar gewesen wäre, ist zwar unklar, doch die Reaktion der Verbände verdeutlicht zumindest deren Meinung zur Gigantenliga. Die UEFA leitete auch aktiv juristische Schritte gegen die Mannschaften ein, begnadigte später jedoch alle wieder.

Es waren aber weniger die angesprochenen Drohungen von UEFA und Co. als vielmehr die heftigen Proteste der Fans, die dazu führten, dass neun der zwölf Vereine keine zwei Tage nach der Verkündung der neuen Liga bereits wieder zurückzogen und sich (vorläufig?) vom Projekt der Super League verabschiedeten. Übrig geblieben sind nur noch drei Mannschaften: Juventus Turin, Real Madrid und der FC Barcelona. Übrigens: Die deutschen Vereine, allen voran die beiden “Großen”, also der FC Bayern München und Borussia Dortmund, hatten von Anfang an keinerlei Interesse an der Gründung einer Super League.

Ein paar Monate Ruhe und dann: eine überarbeitete Idee

Nach der deftigen Niederlage im April 2021 tüftelten Juve, Real und Barça mit ihren jeweiligen Präsidenten Andrea Agnelli, Florentino Pérez und Joan Laporta im Stillen weiter, denn aufgeben wollten sie ihren Traum von der Goldesel-Liga keinesfalls. Im Oktober 2021 veröffentlichten die drei letzten Mohikaner eine überarbeitete Version, ein Konzeptpapier mit dem Titel “Die Zukunft des europäischen Fußballs überdenken”, die im Wesentlichen so aussah:

  • je 20 Vereine in der Super League und einer zweiten europäischen Liga
  • keine gesetzten Vereine mehr (die ursprüngliche Variante mit 15 festen Teilnehmern war einer der am stärksten kritisierten Punkte)
  • System mit Auf- und Abstieg
  • Anreize für Fans: z.B. Zuschüsse für Reisen zu Auswärtsspielen, großes Kontingent (70 Prozent) der Final-Tickets für die Fans der teilnehmenden Mannschaften

Ob diese Änderungen und die (etwas plumpen) Versuche, nun plötzlich auf fan-nah zu machen, für größere Anerkennung der Pläne für eine Super League gesorgt haben? Eher nicht, würden wir sagen.

Vor- und und Nachteile einer Super League

Was wären denn eigentlich die Vor- und Nachteile einer Eliteliga mit Top-Klubs wie Real Madrid, dem FC Liverpool und dem FC Bayern (sofern er sich doch zur Teilnahme überreden ließe)?

+ viele attraktive Begegnungen, von denen sowohl die Vereine als auch die Fans profitieren könnten, zumindest die der teilnehmenden Teams und die neutralen, die guten europäischen Fußball auf Augenhöhe sehen wollen

– ein noch größeres Gefälle als bisher, was die großen und kleinen Klubs betrifft

– noch mehr Spiele für die sowieso teils schon überspielten Profis (größere Verletzungsgefahr)

– Umweltbelastung durch vermehrte Flugreisen der Klubs

Das sind die aktuellsten Entwicklungen

Fest steht inzwischen, dass die Eliteliga den Segen der UEFA und FIFA nicht unbedingt braucht. Sollte der EuGH zustimmen, hätte sie freie Bahn. Ein entsprechendes Verfahren beim Europäischen Gerichtshof läuft, da die Verfechter nun gegen die UEFA klagen, um dieser ihr Monopol auf die Organisation europäischer Wettbewerbe zu entziehen. Sie wollen mit der European Super League in Konkurrenz zur Champions League antreten – sofern das Gericht zu ihren Gunsten entscheidet. Ein Urteil wird für den Sommer 2022 erwartet.

Ebenfalls im kommenden Sommer planen die drei treibenden Kräfte, sprich Juventus Turin, Real Madrid und der FC Barcelona, angeblich ein Miniturnier in den USA. Um vier Teilnehmer zu haben, soll noch der AC Mailand mit ins Boot geholt werden. Das Turnier ist scheinbar als Vorbereitung auf die neue Saison gedacht. Als Austragungsort wird vermutlich die Westküste, genauer gesagt Los Angeles, anvisiert, weil dort besonders viele Zuschauer möglich wären. Durch die Ticket-Einnahmen könnten die Klubs wenigstens einen Teil der während der Corona-Pandemie (und durch mäßiges Wirtschaften…) erlittenen Verluste ausgleichen.

Ein kleiner Ausblick

Es ist davon auszugehen, dass die Super League früher oder später tatsächlich existieren wird. Ein erster handfester Schritt in diese Richtung könnte ein positives Urteil des Europäischen Gerichtshofs zugunsten der Kläger im Verfahren gegen die UEFA sein. Die Herren Andrea Agnelli, Florentino Pérez und Joan Laporta erwarten sicherlich schon sehnsüchtig die Verkündung im kommenden Sommer. Wie schnell die Umsetzung nach einer “Freigabe” vonstatten gehen könnte, lässt sich nur schwer abschätzen. Doch irgendwann wird es zu dieser Revolution im europäischen Fußball kommen, dafür sind die Top-Klubs einfach zu mächtig – und letztlich auch mächtiger als die Verbände.

Verändern wird sich der Fußball in nächster Zeit auf jeden Fall. Denn mitten in den ersten Vorstoß der Super-League-Verfechter fiel auch der Beschluss der UEFA, die Champions League ab der Saison 2024/25 zu reformieren. Dann werden 36 statt bisher 32 Mannschaften teilnehmen, was die Anzahl der Spiele von aktuell 125 auf 225 erhöht und damit fast verdoppelt. Da stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, wo im Jahreskalender eine mögliche Super League ihre Spieltage noch unterbringen wollte. Aber insgesamt gibt es viele Fragezeichen, was die Zukunft des europäischen Fußballs betrifft. In welche Richtung soll es langfristig gehen?

Traurig, aber wahr: Da die schönste Nebensache der Welt längst zur Gänze vom Geld regiert wird, gibt es wahrscheinlich keine Lösung, die von den Fans und Spielern über die Klubs bis hin zu den nationalen und internationalen Verbänden alle Parteien glücklich macht.

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